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DIE GROSSEN WEINE ÖSTERREICHS, Helmut Romé 1979

Das Weingut Römerhof erinnert mit seinem Namen an die Zeit der römischen Herrschaft. Durch das heutige Großhöflein führte damals die Straße von Ödenburg nach Wien. Die Römer hatten hier eine Art Poststation etabliert.

Der Name des Ortes taucht erstmals 1324 auf. Er hieß damals „Hublen“. Im Jahr 1416 bezeichnet eine Urkunde den Ort mit „Grossen Hofflein“ Da hier einmal die Grafen von Heuflen wohnten, dürfte die endgültige Ortsnamensbezeichnng auch von ihrem Namen beeinflußt worden sein.
Die Fürsten Esterházy residierten in Großhöflein, bevor sie ihr Schloß in Eisenstadt erbauen ließen. Die Gemeinde, die 1701 zum Markt erhoben wurde, hat damit historische Bezüge zur Entwicklung des Burgenlands. Auch die Weinbautradition ist hier lange nachweisbar.

Das Weingut Römerhof befindet sich seit 1775 im Besitz der Familie Kollwentz und ist heute ein ausschließlich weinproduzierender Betrieb. Die hohe Qualität der Gutsweine ist nicht zuletzt ein Spiegelbild der weinkulturellen Einstellung des Besitzers. Anton Kollwentz hat eine tiefe, innere Beziehung zum Wein, die über Kommerzialismus hinausgeht und den Wein mit einem besonderen Kulturgut des Menschen assoziiert. Und auch hier im Römerhof wird es deutlich: Die gestaltende Hand des weinverständigen Menschen ist eine ganz entscheidende Voraussetzung für das Entstehen von großen Weinen.

Die Palette der Weine ist im Hause Kollwentz sehr breit, sie reicht von trockenen Gewächsen bis zum höchsten Prädikatsadel. Verdienstvoll besonders die Kreation eines leichten, fruchtigen Weines der für das –Burgenland genauso typisch ist wie die Prädikatskreszenzen. Leider glaubt man auch im Burgenland, einfache Weine durch hohen Alkohol und Restsüße in große Gewächse verwandeln zu können. Nicht minder anerkennenswert ist das Bemühen von Anton Kollwentz zur Hebung der Rotweinkultur in Österreich. Die Blaufränkischen des Gutes demonstrieren, dass man gerade im Burgenland die klimatischen und bodenmäßigen Voraussetzungen für den Ausbau guter, charaktervoller Rotweine vorfindet – wenn man eben bereit ist, Rotweine nicht nur mit der linken Hand und als Heurigenprodukt zur Ergänzung des Weißweines zu machen. Von dem oft erschreckend mangelhaften Wissensstand über die Rotweinbereitung nicht zu reden.
Das Weingut bewirtschaftet 15 Hektar Rebfläche, 5 Hektar wurden in den letzten Jahren gerodet und sollen später wieder neu bepflanzt werden. Mit 2 Hektar steht der Blaufränkische an der Spitze der Rebsorten. Er kommt aus der Riede “Steinzeiler“ von einem Südhang des langgestreckten Höhenzuges des Leithagebirges, das im Kern kristallines Urgetein und darüber Muschelkalkablagerungen enthält.

Mit 1,8 Hektar folgt die Sorte Welschriesling, die in Eisenstadt in der Riede Steinmühle (mit Lehm durchsetzte Schotterböden) steht. Auf je 1,5 Hektar werden Müller-Thurgau (auf dem „Fölligberg“ in Großhöflein) und Neuburger (in der Riede „Haussatz“, Südhang des Leithagebirges) gezogen; ein Hektar ist mit Grünem Veltliner (Fölligberg) ausgepflanzt. Je ein halbes Hektar entfallen auf Sauvignon blanc (Muskat-Sylvaner), St.Laurent und Zweigelt. Kleinere Flächen sind noch mit Rheinriesling, Scheurebe, Muskat-Ottonel und Traminer bepflanzt. Die Erträge liegen im Durchschnitt der Gesamternte unter 50hl/ha, bei den Prädikatsweinen fallen die Erträge bis zu 10hl/ha, bei Müller-Thurgau und Grünem Veltliner steigen sie bis 80hl/ha an.

Im kellerwirtschaftlichen Ausbau werden die Weißweine vor der Presse gemaischt
(6 bis 8 Stunden). Die Mostentschleimung erfolgt durch Absetzen. Die Rotweingärung wird in Rototanks vorgenommen (geschlossene Gärung, aber Maischegärung). Der weitere Ausbau erfolgt in Holzfässern. Die Weißweine werden sehr früh abgezogen, um Säure zu erhalten, die Rotweine machen im Holzfaß den biologischen Säureabbau durch. Bei den Weißweinen wird im Jänner zum zweiten Mal abgezogen und mit Schichtenfiltern vorfiltriert. Die Flaschenfüllung erfolgt kaltsteril frühzeitig, spätstens bis Anfang Mai, damit die Weine jung und fruchtig bleiben und ihre Kohlensäure erhalten. Die Rotweine werden hingegen in der Regel nicht vor September abgefüllt.

Die Weißweine sind von frischer, fruchtiger Natur, sehr reintönig im Bukett und von eleganter Abrundung mit einer pikant-fruchtigen Säure. Die Prädikatsweine erklimmen sehr oft finessereiche Höhen. Die Rotweine sind erstaunlich tannin- und körperreich, von ausgewogenem Geschmack und haben ein feines Bukett. Die Säure die man ihnen im Hause Kollwentz nicht nimmt, gibt den Rotweinen Charakter und eine lange Haltbarkeit.